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Neue Daten: E-Autos sind häufiger in Unfälle verwickelt – doch warum?

Laut einer aktuellen Analyse des Versicherers AXA sind sie in mehr Unfälle verwickelt als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Dabei handelt es sich nicht nur um eine geringe Steigerung, sondern nach Angaben des Versicherers um einen Anstieg von 50 Prozent bei Kollisionen, bei denen Schäden am eigenen Fahrzeug entstehen.

Hohe Leistung als Unfallauslöser

Ein wesentlicher Faktor für die erhöhte Unfallrate ist das hohe Drehmoment moderner Elektroautos. Im Gegensatz zu Verbrennern steht die volle Leistung schon bei niedrigsten Drehzahlen zur Verfügung. Das führt dazu, dass der Wagen oft stärker und ruckartiger beschleunigt, als es viele Fahrerinnen und Fahrer gewohnt sind. Wer also nur leicht aufs Strompedal drückt, kann sich plötzlich mit einer ungewohnt vehementen Beschleunigung konfrontiert sehen.

Laut AXA ist das besonders bei leistungsstarken Modellen ein Problem. Diese E-Autos haben in der Regel größere Akkus, höhere Motorleistung und bieten Beschleunigungswerte, an die viele Fahrerinnen und Fahrer nicht herangeführt werden. Das Resultat: Im Vergleich zu Benzinern oder Dieseln passiert ein signifikanter Teil der Unfälle nicht beim Bremsen, sondern während des Beschleunigens.

Teure Schäden durch teure Fahrzeuge

Elektroautos mit viel Leistung sind häufig in einem höheren Preissegment angesiedelt. Wenn es hier zu Kollisionen kommt, steigen die Reparaturkosten dementsprechend. Hochwertige Komponenten wie Akku, Leistungselektronik und spezielle Karosserieteile sind teurer als beim klassischen Antrieb. Dies treibt die Schadenkosten laut den vorliegenden Daten in die Höhe.

Der Unterboden – eine unterschätzte Schwachstelle

Crashtests des Versicherers AXA decken zusätzlich ein strukturelles Problem auf: den Unterboden der E-Fahrzeuge. Dort ist bei modernen Stromern fast immer die Batterie verbaut. Zwar ist diese nach Herstellerangaben auf verschiedenen Seiten – vorne, hinten und seitlich – durch verstärkte Karosseriebereiche gut geschützt. Allerdings zeigt sich, dass eine wichtige Stelle unterhalb des Fahrzeugs oft weniger widerstandsfähig ist.

Gerät ein E-Auto beispielsweise auf eine höhere Bordsteinkante oder fährt über ein unerwartetes Hindernis, kann der Unterboden beschädigt werden. Im schlechtesten Fall betrifft das auch den Akku selbst. Werden Zellen des Batteriepacks beeinträchtigt, besteht die Gefahr eines größeren Brands, da Lithium-Ionen-Batterien bei Beschädigung unter ungünstigen Umständen Feuer fangen können.

Brandgefahr: selten, aber nicht zu unterschätzen

Obwohl die Brandgefahr von Elektroautos in der öffentlichen Wahrnehmung teils überschätzt wird, weist AXA dennoch auf das grundsätzliche Risiko hin. Laut deren Daten gehen nur etwa fünf von 10.000 Autos – also 0,05 Prozent – in Flammen auf. Dennoch ist es der Wunsch des Versicherers, dass Hersteller den Unterboden künftig mit zusätzlichen Schutzplatten versehen. So könnte das Risiko eines Brandes durch Akkuschäden weiter reduziert werden.

Gleichzeitig wird betont, dass andere Ereignisse, etwa ein Marderbiss, statistisch gesehen viel häufiger vorkommen als ein Batteriebrand. Dennoch empfiehlt es sich für Fahrerinnen und Fahrer, die besonderen Gegebenheiten eines E-Autos zu kennen und zu berücksichtigen.

Was Fahrerinnen und Fahrer tun können

  1. Bewusster Umgang mit dem Gaspedal: Da das Drehmoment von E-Autos ungewohnt hoch sein kann, sollten besonders Umsteiger von Benzinern oder Dieseln anfangs behutsam beschleunigen.
  2. Unterboden im Blick behalten: Wer in ländlichen Regionen unterwegs ist oder regelmäßig über unbefestigte Wege fährt, sollte noch stärker auf Hindernisse achten, um Beschädigungen am Akku zu vermeiden.
  3. Regelmäßige Checks: Eine visuelle Kontrolle des Unterbodens (etwa bei Inspektionen) kann frühzeitig auf mögliche Schäden hinweisen.

Fazit

Nicht das Elektroauto an sich, sondern unvorbereitetes Fahrverhalten führt laut den Daten des Versicherers AXA zu einem Anstieg der Unfallzahlen. Besonders das Zusammenspiel aus hohem Drehmoment und überraschend schneller Beschleunigung wird vielen Autofahrerinnen und Autofahrern zum Verhängnis. Zudem birgt der Unterboden ein bisher unterschätztes Risiko, da er bei unvorsichtiger Fahrweise beschädigt werden kann und sich in unmittelbarer Nähe zum Akku befindet.

Dennoch ist die tatsächliche Brandgefahr bei Elektrofahrzeugen laut AXA vergleichsweise gering – deutlich geringer beispielsweise als andere gängige Risiken im Straßenverkehr. Wichtig ist, dass Hersteller, Versicherer und Autofahrende gemeinsam dafür sorgen, dass die Besonderheiten und Eigenarten der E-Mobilität besser bekannt werden. Auf diese Weise lassen sich Unfälle und mögliche Folgeschäden effektiver vermeiden.mit dem Fahrpedal umgehen. Hersteller wiederum könnten die Anfälligkeit am Unterboden durch zusätzliche Verstärkungen senken, um Batterieschäden und damit verbundene Gefahren zu reduzieren.

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