Immer mehr Menschen in Deutschland interessieren sich für den Kauf eines Elektroautos. Doch trotz positiver Schlagzeilen und ambitionierter politischer Ziele zeigt eine neue repräsentative Umfrage der Unternehmensberatung McKinsey: Die Mehrheit der Autofahrer zögert weiterhin – aus nachvollziehbaren Gründen.
E-Auto-Interesse wächst – vor allem bei Jüngeren
Die Umfrage unter 3.200 deutschen Autofahrern zeigt: 48 Prozent planen beim nächsten Autokauf den Umstieg auf ein elektrifiziertes Modell. 30 Prozent der Befragten wollen ein rein elektrisches Fahrzeug, 18 Prozent ein Plug-in-Hybridmodell. Das klingt nach Aufbruchstimmung – doch mehr als die Hälfte der Befragten bleibt beim Verbrenner.
Bei den Jüngeren unter 45 Jahren ist das Interesse deutlich größer. Fast zwei Drittel (60 Prozent) wollen auf Strom umsteigen. Bei den über 45-Jährigen sinkt diese Bereitschaft jedoch rapide. Hier spielt offenbar neben der Technik auch das Vertrauen in die Alltagstauglichkeit eine große Rolle.
Ladeangst bleibt Realität – nicht nur ein Vorurteil
Das größte Hindernis für den Umstieg bleibt – wenig überraschend – die Ladeinfrastruktur. Ganze 61 Prozent der heutigen Verbrenner-Fahrer halten das öffentliche Ladenetz für unzureichend. Und auch viele aktuelle E-Auto-Besitzer sind nicht überzeugt: Ein Drittel von ihnen kritisiert weiterhin das mangelnde Angebot an Ladepunkten.
Vor allem abseits urbaner Räume fehlt vielerorts die notwendige Infrastruktur. Wer nicht zuhause laden kann, steht im Alltag oft vor einem Problem. Auch hohe Strompreise und lange Ladezeiten machen E-Autos für viele unattraktiv.
Regionale Unterschiede: Im Osten überwiegt die Zurückhaltung
Die Umfrage zeigt ein geteiltes Deutschland in Sachen E-Mobilität. In Berlin, NRW, Hessen und Niedersachsen ist rund ein Drittel der Befragten offen für Elektroautos. In Thüringen und Sachsen hingegen können sich nur 16 bzw. 17 Prozent den Kauf eines E-Autos vorstellen.
Gründe dafür liegen neben der Infrastruktur auch in der wirtschaftlichen Situation. Höhere Anschaffungskosten und Unsicherheiten über Restwerte oder Förderung schrecken viele Käufer ab – vor allem in Regionen mit geringerem Durchschnittseinkommen.
Markentreue bröckelt – aber Unsicherheit bleibt
Bemerkenswert: Beim Umstieg auf ein E-Auto ist vielen Kunden ihre bisherige Automarke nicht mehr wichtig. Fast 30 Prozent würden ein anderes Fabrikat wählen. Offenbar zählt beim Thema Elektromobilität mehr das technische Gesamtpaket als der Markenkern.
Doch auch hier zeigt sich eine ambivalente Haltung: Die Lust auf Neues ist da, aber sie trifft auf ein Marktumfeld voller Fragezeichen – von nicht einheitlichen Ladesystemen bis zu unklaren Förderkonditionen.
Fazit: Interesse ja, Vertrauen nein
Die Umfrage bestätigt: Das Interesse an Elektroautos nimmt zu – aber das Vertrauen in die Alltagstauglichkeit fehlt vielen weiterhin. Zu viele Unsicherheiten bleiben bestehen: zu wenig Ladesäulen, hohe Anschaffungspreise, geringe Reichweiten, unklare Technikfolgen.
Gerade die Euphorie bei jüngeren Käufern täuscht nicht darüber hinweg, dass die Mehrheit der Bevölkerung bei E-Autos noch zögert. Wer den Wandel beschleunigen will, muss Vertrauen schaffen – durch bessere Infrastruktur, klare politische Rahmenbedingungen und transparente Information.
Denn ohne Akzeptanz im Alltag nützt der technologische Fortschritt wenig.
