Volkswagen öffnet erneut die Kassen: Das US-Elektroauto-Startup Rivian erhält Ende Juni eine weitere Milliarde US-Dollar vom deutschen Autobauer. Diese Investition ist Teil eines milliardenschweren Kooperationsdeals und könnte für beide Unternehmen wegweisend sein – wenn alles nach Plan läuft.
🔋 Kooperation mit Strategie – nicht nur ein Investment
Bereits 2024 hatten VW und Rivian eine umfassende Partnerschaft angekündigt, in deren Rahmen Volkswagen insgesamt bis zu 5,8 Milliarden US-Dollar in das junge US-Unternehmen investieren will. Ziel: Die gemeinsame Entwicklung einer neuen Elektrofahrzeug-Plattform sowie die Integration von Rivians Software in künftige VW-Modelle – insbesondere im günstigen Kompaktsegment.
Herzstück der Zusammenarbeit ist ein neu gegründetes Joint Venture im Silicon Valley. Dort sollen Teams beider Konzerne gemeinsam an zukunftsweisenden Technologien tüfteln. Volkswagen erhält damit Zugang zu Rivians moderner Fahrzeugarchitektur – eine wichtige Voraussetzung, um im globalen Wettbewerb mit Tesla, BYD & Co. nicht den Anschluss zu verlieren.
📈 Rivian: Gute Nachrichten – aber mit Haken
Die Auszahlung der aktuellen Tranche – eine Milliarde Dollar – wurde an eine Bedingung geknüpft: Rivian musste im ersten Quartal 2025 einen positiven Bruttogewinn erzielen. Dieses Ziel hat das Unternehmen erreicht: 206 Millionen US-Dollar brutto – vor Fixkosten – stehen auf dem Papier. Der Umsatz stammt vor allem aus dem Verkauf von Fahrzeugen, Software und Services.
Doch ganz so rosig ist die Lage nicht: Trotz Bruttogewinn verbuchte Rivian einen Nettoverlust von 541 Millionen US-Dollar im gleichen Zeitraum. Das heißt: Die Fixkosten wie Forschung, Verwaltung oder Produktionsinfrastruktur wiegen schwer – zu schwer für echte Rentabilität.
🚙 Neue Modelle R2 und R3 als Hoffnungsträger
Rivian setzt große Hoffnungen auf die nächste Modellgeneration. Ab 2026 sollen die neuen, deutlich günstigeren Crossover R2 und R3 auf den Markt kommen. Sie sollen nicht nur neue Zielgruppen erreichen, sondern auch die Verkaufszahlen signifikant erhöhen. Denn bislang ist das Rivian-Portfolio vor allem hochpreisig – mit Modellen wie dem Pickup R1T, dem SUV R1S oder einem Elektrotransporter.
Die Produktion der neuen Modelle soll zunächst im Werk in Illinois anlaufen. Später sollen die R2- und R3-Modelle auch in einem neuen Werk in Georgia gefertigt werden – finanziert unter anderem mit dem VW-Kapital.
🌍 Herausforderungen bleiben
Trotz Partnerschaft und technologischem Fortschritt musste Rivian seine Absatzprognose für 2025 bereits senken – auf 40.000 bis 46.000 Fahrzeuge (nach 51.579 im Vorjahr). Grund sind u. a. neue Zölle in wichtigen Märkten, die die Nachfrage bremsen.
Die Zusammenarbeit mit Volkswagen könnte daher zur Überlebensfrage werden: Zugang zu Plattform-Know-how, Skaleneffekte in der Produktion und frisches Kapital – all das könnte Rivian helfen, endlich die Gewinnzone zu erreichen. Gleichzeitig nutzt VW die Kooperation, um technologisch aufzuholen und auch im preissensiblen E-Auto-Marktsegment konkurrenzfähig zu bleiben.
📌 Fazit: Viel Hoffnung, viel Risiko
Volkswagen setzt mit Rivian auf einen strategischen Partner mit Innovationskraft, aber auch mit hohem Risiko. Für Rivian wiederum ist die Kooperation ein potenzieller Gamechanger. Ob sich der Milliarden-Deal auszahlt, hängt letztlich davon ab, ob Rivian es schafft, seine neuen Modelle erfolgreich auf den Markt zu bringen – und ob VW die Technik tatsächlich gewinnbringend skalieren kann.
