Als Volkswagen im Herbst 1988 den Corrado vorstellte, war die Erwartungshaltung hoch. Viele glaubten, dass er einfach die dritte Generation des Scirocco sein würde.
Doch was VW gemeinsam mit Karmann in Osnabrück auf die Räder stellte, war weit mehr als ein reiner Nachfolger. Der Corrado war technisch anspruchsvoll, optisch auffällig und in vielen Details seiner Zeit voraus.
Trotzdem blieb er ein Nischenmodell – und genau das macht ihn heute zu einem begehrten Youngtimer.

Ein Sportcoupé mit eigenem Charakter
Optisch setzte der Corrado ein klares Statement. Die flache Silhouette, die markanten Linien und die breiten Kotflügel verliehen ihm ein sportliches Auftreten, das nichts mehr mit den kantigen Formen der frühen Scirocco-Modelle gemein hatte.
Ein echtes Highlight war der automatisch ausfahrende Heckspoiler: Ab 120 km/h fuhr er aus und reduzierte den Auftrieb an der Hinterachse um bis zu 64 Prozent.
Für ein Fahrzeug aus Wolfsburg war das eine Sensation – und brachte dem Corrado schnell den Ruf ein, der „kleine Porsche“ von VW zu sein.
Das Coupé war zudem kein reines Showcar. Mit seiner robusten Karosserie, den kompakten Abmessungen (4,05 Meter Länge) und dem ausgewogenen Fahrwerk bot er Fahrdynamik, die viele Konkurrenten aus dieser Klasse in den Schatten stellte.

Motoren – Vielfalt mit Highlights
Die Motorenpalette reichte vom soliden 1,8-Liter-Vierzylinder mit 107 PS bis hin zum legendären VR6-Motor. Besonders spannend war zunächst der Corrado G60, benannt nach seinem G-Lader-Kompressor.
Mit 160 PS und 225 Nm Drehmoment katapultierte er das Coupé in rund 8,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h – und erreichte über 220 km/h Spitze.
Doch die wahre Ikone der Baureihe wurde ab 1991 der Corrado VR6. Der neu entwickelte 2,9-Liter-Motor mit 190 PS verband Laufruhe mit kernigem Klang und schob den Wagen kraftvoll nach vorn.

0 auf 100 km/h in unter sieben Sekunden und eine Spitze von bis zu 235 km/h – damit war der Corrado endgültig in einer Liga angekommen, die man sonst mit sportlichen BMWs oder Audis verband.
Auch technisch war der Wagen anspruchsvoll: MacPherson-Federbeine vorn, Verbundlenkerachse hinten und rundum Scheibenbremsen mit ABS. Später kamen Features wie eine elektronische Differenzialsperre (EDS) hinzu, die ihn auch bei schlechtem Grip fahrbar hielt.
Innenraum und Ausstattung
Der Corrado war für ein VW-Modell seiner Zeit erstaunlich hochwertig ausgestattet. Zur Serienausstattung zählten ABS, Servolenkung, Sportsitze, Nebelscheinwerfer, grün getönte Wärmeschutzverglasung sowie elektrisch einstellbare und beheizte Außenspiegel – Dinge, die Ende der 80er in dieser Klasse noch längst nicht selbstverständlich waren.
Mit der Modellpflege Anfang der 90er erhielt er ein modernisiertes Interieur: eine neue Mittelkonsole, überarbeitete Türverkleidungen, rundere Lüftungsdüsen und neu gestaltete Schalter.
Besonders markant: der „Corrado“-Schriftzug im Drehzahlmesser, der das Coupé eindeutig von Golf und Passat abhob.

Kein Massenauto – und genau deshalb besonders
Zwischen 1988 und 1995 liefen nur rund 97.500 Exemplare vom Band. Verglichen mit den Millionenstückzahlen von Golf oder Passat war das fast nichts. Viele Käufer empfanden den Corrado schlicht als zu teuer.
Er war im VW-Programm teurer als mancher Golf GTI und näher an Modellen von Audi oder BMW positioniert – ein schwieriges Pflaster für ein Auto, das nicht die gleiche Markenprestige hatte.
In der Folge blieb der Corrado ein Nischenmodell. Heute macht genau diese Seltenheit seinen Reiz aus. Besonders gesucht sind die G60- und VR6-Modelle, die mit ihrer Leistung und Technik das Maximum aus dem Coupé herausholten. Auch Sondermodelle wie der „Corrado Storm“ genießen Kultstatus.
Ein Auto mit Kultstatus
Rückblickend war der Corrado seiner Zeit vielleicht ein Stück zu weit voraus. Ein Sportcoupé mit ausfahrbarem Spoiler, kräftigen Motoren und hochwertiger Ausstattung – das passte nicht so recht ins Bild von Volkswagen als Hersteller solider Familienautos.
Doch genau diese Eigenständigkeit sorgt dafür, dass er heute als einer der spannendsten VW überhaupt gilt.
Auf Oldtimer-Treffen zieht der Corrado regelmäßig Blicke auf sich, und die Preise für gepflegte Exemplare steigen seit Jahren. Wer heute einen G60 oder VR6 findet, der nicht verbastelt ist, darf sich glücklich schätzen.
Denn eines ist klar: Der Corrado ist nicht nur ein „vergessener Sportwagen“ – er ist ein echtes Stück VW-Geschichte, das längst seinen Platz im Youngtimer-Olymp gefunden hat.