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VW rutscht tief in die roten Zahlen – Porsche, US-Zölle und Chipkrise belasten den Konzern

Volkswagen kämpft mit massiven finanziellen Belastungen. Im dritten Quartal 2025 verbucht der Konzern einen Verlust von 1,07 Milliarden Euro – ein dramatischer Absturz im Vergleich zum Vorjahr, als noch 1,56 Milliarden Euro Gewinn erzielt wurden.

Grund sind unter anderem die schwächelnde Tochter Porsche, hohe US-Zölle und eine neue Chipkrise.


Porsche reißt VW mit in die Tiefe

Eigentlich galt Porsche lange als Gewinnbringer des Konzerns. Doch nach milliardenschweren Kosten durch den Strategiewechsel zur Verlängerung der Verbrennerproduktion schrieb die Luxusmarke im dritten Quartal fast eine Milliarde Euro Verlust.

In den ersten neun Monaten brach das Ergebnis nach Steuern sogar um 96 Prozent ein.

Diese Entwicklung schlägt nun direkt auf den Mutterkonzern durch. Laut Finanzvorstand Arno Antlitz belasten allein die Anpassungen bei Porsche den Konzern mit rund 4,7 Milliarden Euro.

Insgesamt summieren sich die Sondereffekte auf 7,5 Milliarden Euro – hauptsächlich durch Zölle, Abschreibungen und Strategieanpassungen.


Neue Zölle treffen VW hart

Besonders schwer wiegen die neuen US-Zölle, die der Konzern auf bis zu fünf Milliarden Euro jährlich beziffert. Sie treffen VW in einer Phase, in der man eigentlich auf Wachstum in Nordamerika gesetzt hatte. Statt eines geplanten Plus von zehn Prozent ist der Absatz dort um acht Prozent eingebrochen.

Um künftige Zölle zu vermeiden, denkt Audi nun über ein neues Werk in den USA nach. Laut Antlitz befindet sich das Projekt bereits „in der Diskussion mit der Regierung“. Eine Entscheidung soll noch vor Jahresende fallen.


Chipmangel verschärft die Lage

Zusätzlich kämpft VW erneut mit Lieferproblemen bei Halbleitern. Hintergrund ist die Teilübernahme des niederländischen Chipproduzenten Nexperia durch die Regierung – ein Eingriff, der kurzfristig die Lieferketten stört.

Zwar sei die Versorgung der deutschen Werke laut VW „bis Ende nächster Woche gesichert“, doch Antlitz warnt: „Die Lage bleibt kritisch.“

VW sucht daher nach Ersatzlieferanten – eine dauerhafte Lösung könne aber nur „auf politischer Ebene“ gefunden werden, so der Finanzchef.


Sparprogramm zeigt erste Wirkung

Trotz der Rückschläge sieht VW erste positive Effekte seines massiven Sparprogramms, das Ende 2024 gestartet wurde. Ziel ist die Streichung von über 35.000 Stellen bei der Kernmarke bis 2030.

„Erstmals seit Jahren sind die Gemeinkosten gesunken“, sagt Antlitz. Die Kernmarke Volkswagen steigerte ihr operatives Ergebnis auf 1,48 Milliarden Euro, bei fast unverändertem Umsatz von rund 64 Milliarden Euro. Auch die Restrukturierung der Konzernstruktur schreitet laut VW „planmäßig“ voran.


Trotzdem bleibt die Lage angespannt

Im Gesamtergebnis steht VW jedoch weiter unter Druck. In den ersten neun Monaten sank der Überschuss um über 60 Prozent, von 8,8 auf 3,4 Milliarden Euro.

Ohne die Sondereffekte hätte die operative Marge bei 5,4 Prozent gelegen – ein Wert, den Antlitz „im aktuellen Umfeld als ordentlich“ bezeichnet.

Besonders kritisch bleibt das Geschäft in China, das weiterhin schwächelt. Damit verliert VW eine seiner wichtigsten Säulen – und muss nun weltweit nach neuen Wachstumsfeldern suchen.


Fazit:
Zwischen Chipmangel, Zöllen und schwachen Märkten steht Volkswagen vor einem der schwierigsten Jahre seit Langem. Zwar greifen erste Sparmaßnahmen, doch ohne eine Entspannung der geopolitischen Lage und eine stabile Nachfrage droht der Konzern, weiter an Boden zu verlieren.

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