Es gibt Concept Cars, die faszinieren – und es gibt den Audi Rosemeyer. Als er am 1. Juni 2000 enthüllt wurde, schien es, als würde Audi einen Supersportwagen auf die Straße bringen, der alles in den Schatten stellt: mit einem W16-Motor, Aluminiumkarosserie und einem Design, das tief in der Geschichte verwurzelt war – inspiriert von den legendären Auto Union Silberpfeilen der Vorkriegszeit.

Doch trotz atemberaubender Optik und technischer Wucht blieb der Rosemeyer ein Einzelstück. Ein Traum auf vier Rädern, der nie in Serie ging – und gerade deshalb bis heute fasziniert.
Eine Hommage an Geschwindigkeit und Geschichte
Schon der Name ist ein Statement: Bern Rosemeyer, einer der größten Rennfahrer der 1930er-Jahre, verunglückte 1938 bei dem Versuch, auf einer öffentlichen Straße einen Geschwindigkeitsrekord aufzustellen.
Sein Tod war tragisch – aber sein Vermächtnis lebt in diesem Concept Car weiter.
Das Design des Audi Rosemeyer erinnert an die Auto Union Typ C-Rennwagen, doch wer tiefer gräbt, erkennt noch eine andere Inspirationsquelle: den nie realisierten Auto Union Typ 52, eine stromlinienförmige Sportlimousine von Ferdinand Porsche.
Auch hier war die nach vorne gerückte Kabine und das fließende Heck bereits angedeutet – Jahrzehnte bevor Audi dieses visionäre Design aufgriff.

Aluminium pur und pure Aggression
Der Rosemeyer wirkte wie aus einem Guss: poliertes Aluminium, fast zwei Meter breit, extrem kurze Überhänge, verkleidete Scheinwerfer, versenkte Rückfahrkameras statt Spiegel – ein aerodynamischer Keil, der eher wie ein Kunstwerk als ein Auto wirkte.
Am Heck: Keine Scheibe, keine Klappe, sondern ein geschlossener Rücken wie bei einem Speedster. Jedes Detail schrie: Performance. Vergangenheit. Zukunft.
Rennsport-DNA bis ins Cockpit

Der Innenraum: radikal reduziert. Statt Luxus gab es Nomex-Stoffe, Vierpunktgurte und ein Vier-Speichen-Lenkrad, das direkt aus den 30ern zu stammen schien.
Der zentrale Drehzahlmesser dominierte das Cockpit, ein dicker Alu-Schalthebel ragte aus dem Mitteltunnel. Bildschirme für die Kameraspiegel – vorhanden, aber nicht sichtbar. Alles war fahrerorientiert, alles war Motorsport.
W16 – der Motor, der Geschichte schrieb
Das absolute Herzstück des Audi Rosemeyer war der 8,0 Liter große W16-Motor mit 710 PS, platziert hinter der Kabine. Ein Aggregat, das später in seiner extremsten Form als Bugatti Veyron-Motor mit 1.001 PS Geschichte schrieb.
Schon damals also ein Versprechen: Audi kann Hypercar. Man entschied sich aber dagegen – nicht zuletzt, um der frisch erworbenen Marke Lamborghini keine Konkurrenz zu machen.
Gekoppelt wurde der W16 mit quattro-Allradantrieb und einem sechsgängigen Schaltgetriebe. Leistungsdaten? Veröffentlicht wurden sie nie. Und vielleicht war das auch gar nicht nötig – dieses Auto hatte etwas Besseres als Zahlen: eine Aura.
Warum der Rosemeyer nie in Serie ging

Trotz großem Hype und massiver Nachfrage baute Audi nie mehr als das eine Konzeptfahrzeug. Hinter den Kulissen entschied man, die Lamborghini-Schiene zu fahren, bevor man Jahre später mit dem Audi R8 eine eigene Supersportwagenlinie entwickelte.
Vielleicht war der Audi Rosemeyer einfach zu viel seiner Zeit voraus.
Fazit: Der Mythos lebt
Auch 25 Jahre nach seiner Präsentation ist der Audi Rosemeyer mehr als nur ein Concept Car. Er ist ein Denkmal – für die Vergangenheit der Auto Union, die Visionen von Ferdinand Piëch, und den Mut, ein Auto zu bauen, das nie gebaut werden sollte.
Er ist kein Serienmodell. Kein Prototyp im klassischen Sinne. Der Audi Rosemeyer ist: eine Legende aus Aluminium.