Als Audi 1988 den V8 präsentierte, war das ein Paukenschlag. Zum ersten Mal wagte sich die Marke mit den vier Ringen in die automobile Oberklasse – in ein Segment, das bis dahin fest in den Händen von Mercedes S-Klasse und BMW 7er lag.

Doch anstatt nur mitzuspielen, brachte Audi ein Alleinstellungsmerkmal mit: den serienmäßigen Allradantrieb. Damit schrieb der Audi V8 ein Stück Automobilgeschichte, auch wenn er seinerzeit nicht den großen Markterfolg feiern konnte.
Ein Flaggschiff mit Understatement
Der Audi V8 basierte technisch zwar auf der C3-Baureihe des Audi 100, wurde aber in vielen Punkten neu konstruiert.
Die Karosserie war vollständig verzinkt, die Frontpartie erhielt den damals neuen, in die Motorhaube integrierten Kühlergrill – ein Designelement, das später zur DNA der Marke wurde.
Trotz dieser Eigenständigkeit blieb die optische Nähe zum Audi 200 unverkennbar, was viele potenzielle Käufer irritierte. Denn wer für rund 100.000 D-Mark ein Luxusauto kaufte, wollte nicht riskieren, es könne mit einem günstigeren Modell verwechselt werden.
Im Innenraum zeigte sich der V8 dagegen von seiner besten Seite: Leder, Holz, Klimaautomatik und serienmäßig eine umfangreiche Ausstattung, die ihn technisch in nichts hinter der Konkurrenz zurückstehen ließ.

Herzstück: der Achtzylinder
Das Besondere war natürlich der Motor. Audi entwickelte eigens ein Achtzylinder-Triebwerk mit 32 Ventilen und vier obenliegenden Nockenwellen.

Der 3,6-Liter-V8 brachte es auf 250 PS und 340 Nm Drehmoment, ab 1992 stand sogar ein 4,2-Liter-Aggregat mit 280 PS und satten 400 Nm bereit. Damit sprintete die Limousine in unter 7 Sekunden auf 100 km/h – für die späten 1980er Jahre beeindruckende Werte.
Gekoppelt war der Motor entweder mit einer Viergang-Automatik oder einem Schaltgetriebe. Besonders selten und heute gesucht: die Versionen mit 5- oder 6-Gang-Handschaltung.
Einzigartig: Quattro in der Oberklasse

Das größte technische Ausrufezeichen setzte Audi jedoch mit dem Antrieb. Der V8 war das erste Oberklassemodell weltweit mit serienmäßigem permanentem Allradantrieb. Während Mercedes und BMW noch auf klassischen Hinterradantrieb setzten, kombinierte Audi Luxus mit Rallye-Technik.
Auch bei den Bremsen ging die Marke ungewöhnliche Wege: Die sogenannten „UFO-Bremsen“ griffen von innen auf die Scheibe und sorgten für enorme Verzögerungswerte – wenn auch bei späteren Reparaturen für ebenso enorme Werkstattrechnungen.
Ein schwerer Start im Schatten der Großen
Trotz der technischen Finesse blieb der große Erfolg aus. Rund 21.500 Exemplare wurden in sechs Jahren gebaut – viel weniger als erhofft. Gründe gab es mehrere:
Zum einen war das Image von Audi Ende der 80er noch weit entfernt von der heutigen Premium-Wahrnehmung. Zum anderen war der V8 schlicht zu nah an den günstigeren Audi-Modellen, um sich klar abzuheben.
Zusätzlich brachte Audi 1992 den neuen Audi 100 S4 auf den Markt, der mit V8-Motor, sportlicherer Optik und geringerem Preis den eigenen Flaggschiff-Konkurrenten alt aussehen ließ.
Motorsport und Imagegewinn

Dennoch hinterließ der Audi V8 bleibende Spuren. In der DTM setzte Audi das Modell ab 1990 erfolgreich ein – und gewann mit Hans-Joachim Stuck sowie Frank Biela zwei Meisterschaften in Folge.
Auf den Rennstrecken bewies der V8 eindrucksvoll, dass Allradantrieb und Luxus sich nicht ausschließen.
Heute: Selten, teuer, begehrt
Während in den 90ern die hohen Ersatzteilpreise und komplizierte Technik vielen Besitzern Sorgen bereiteten – ein neuer Motor kostete damals so viel wie ein VW Golf – ist der Audi V8 heute ein gesuchtes Liebhaberfahrzeug. Nur etwas mehr als 1.000 Exemplare sind noch in Deutschland zugelassen.
Gerade wegen seiner geringen Stückzahl und seiner Rolle als Wegbereiter des späteren Audi A8 gilt der V8 heute als Geheimtipp für Sammler. Wer einen gut erhaltenen findet, darf sich über ein echtes Stück Automobilgeschichte freuen – und über einen Wagen, der seiner Zeit in vielerlei Hinsicht voraus war.