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Elektroautos: Privatsache? Nicht wirklich – warum Dienstwagen das Bild verzerren

Elektroautos gelten als die Zukunft der Mobilität. Doch ein Blick auf Deutschlands Straßen zeigt ein anderes Bild: Im Privatkundenbereich tun sich die Stromer weiterhin schwer.

Laut einer aktuellen Analyse der HUK Coburg sind nur rund drei Prozent der privat genutzten Fahrzeuge in Deutschland vollelektrisch – Tendenz kaum steigend.

Der Verdacht liegt nahe: Elektroautos sind in Deutschland vor allem eines – ein Privileg der Besserverdienenden mit Dienstwagen.

Privatkunden zögern – und das hat Gründe

Die HUK-Analyse zeigt: Von einem Durchbruch der Elektromobilität im privaten Sektor kann keine Rede sein. Die Zahl der E-Autos im Privatbesitz stagniert – im ersten Quartal 2025 lag der Zuwachs bei mageren 0,1 Prozentpunkten.

Demgegenüber dominiert weiterhin der klassische Verbrennungsmotor: 60,6 Prozent der Pkw fahren mit Benzin, 28 Prozent mit Diesel. Elektroautos kommen auf gerade einmal 3,3 Prozent.

Neuzulassungen: Zahlen, die täuschen

Ein anderer Eindruck entsteht, wenn man auf die Neuzulassungen blickt: Im April waren 18,8 Prozent der neu zugelassenen Autos vollelektrisch – ein beachtlicher Anstieg gegenüber 12,2 Prozent im Vorjahr. Doch der Schein trügt. Die meisten dieser Neuzulassungen stammen nicht von Privatkunden, sondern von Unternehmen.

Wie die HUK Coburg berichtet, gingen rund 86 Prozent der Zulassungen der drei meistverkauften E-Modelle – VW ID.7, VW ID.4/5 und Skoda Enyaq – auf gewerbliche Halter zurück. Der Grund: Die steuerlichen Vorteile für Dienstwagen mit Elektroantrieb sind in Deutschland enorm.

Das Dienstwagen-Privileg – ein stiller Marktmotor

Der sogenannte geldwerte Vorteil – also der Betrag, den Arbeitnehmer für die private Nutzung ihres Firmenwagens versteuern müssen – ist bei E-Autos deutlich geringer als bei Verbrennern. Wer etwa einen Elektro-Dienstwagen mit einem Listenpreis von 60.000 Euro fährt, versteuert nur 150 Euro monatlich (0,25 Prozent). Bei einem vergleichbaren Benziner wären es 600 Euro (1,0 Prozent). Auch für Plug-in-Hybride gelten Vergünstigungen – sofern sie ab 2025 mindestens 80 Kilometer rein elektrisch fahren oder unter 50 Gramm CO₂ pro Kilometer ausstoßen.

Diese steuerlichen Erleichterungen machen Elektroautos für Unternehmen und deren Angestellte extrem attraktiv – aber sie erreichen kaum den privaten Massenmarkt.

Kritik: Förderung mit Schieflage

Zunehmend gerät das Dienstwagen-Privileg in die Kritik. Verbraucherschützer und Mobilitätsexperten bemängeln, dass es vor allem einer gutverdienenden Zielgruppe zugutekommt. Für Normalverdienende, die keinen Anspruch auf ein Dienstfahrzeug haben, bleibt der Umstieg auf E-Mobilität oft wirtschaftlich unattraktiv – besonders seit dem Wegfall des Umweltbonus.

„Die einseitige Förderung gefährdet die Akzeptanz der Elektromobilität in der Breite“, warnt Autoexperte Constantin Gall von der Unternehmensberatung EY. Eine nachhaltige Verkehrswende brauche jedoch nicht nur elektrische Dienstwagen, sondern vor allem die Privatkäufer – und deren Vertrauen.

Fazit: Elektroautos brauchen mehr als Steuervorteile für Wenige

Aktuell ist der Markt für E-Autos zweigeteilt: Während Unternehmen und Dienstwagenfahrer von staatlichen Vorteilen profitieren, bleibt die Mehrheit der Bevölkerung außen vor.

1 Gedanke zu „Elektroautos: Privatsache? Nicht wirklich – warum Dienstwagen das Bild verzerren“

  1. Wer KEIN Einfamilienhaus besitzt braucht sich über ein E-Auto keine Gedanken zu machen. Man kommt Abends nach Hause, will laden. Nach 5 Stunden aufgeladen, zum Auto um es von der Ladestation abzuholen, 5 mal un den Block fahren um einen Parkplatz zu finden. Den findet man um 24Uhr bestimmt.🤣🤣🤣

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