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NSU Ro 80: Das geniale Auto, das seiner Zeit zu weit voraus war

Als der NSU Ro 80 im Herbst 1967 auf der IAA in Frankfurt vorgestellt wurde, war die Fachwelt elektrisiert. Mit seiner klaren Keilform, dem futuristischen Design und dem revolutionären Wankelmotor schien er wie ein Gruß aus der Zukunft.

Ein Auto, das den Weg in eine neue Epoche weisen sollte. Kein Wunder, dass er 1968 zum „Auto des Jahres“ gekürt wurde. Doch die Geschichte des Ro 80 ist ebenso faszinierend wie tragisch.

Von Spurzem – Lothar Spurzem – Eigenes Werk, CC BY-SA 2.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8042301

Design für eine neue Ära

Während andere Hersteller noch auf Chrom und klassische Linien setzten, wirkte der Ro 80 wie von einem anderen Stern. Claus Luthe zeichnete eine aerodynamische Karosserie, die später zur Blaupause für ganze Generationen von Audi-Modellen werden sollte.

Breite Flächen, scharfe Kanten und eine konsequente Keilform machten ihn zu einem Pionier des modernen Automobildesigns. Bis heute gilt er als eines der stilprägendsten Autos seiner Zeit.

Nicht umsonst zählt das Londoner Design Museum ihn zu den „50 Autos, die die Welt verändert haben“.

Von Lothar Spurzem – Eigenes Werk, CC BY-SA 2.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=60687751

Revolution unter der Haube

Das Herzstück war der Wankelmotor. Kompakt, vibrationsarm und mit einer für die Zeit beeindruckenden Laufruhe ausgestattet, versprach er eine völlig neue Art des Fahrens.

115 PS aus nur 995 cm³ Hubraum – Werte, die damals fast unglaublich wirkten. Gepaart mit Frontantrieb, Scheibenbremsen rundum und moderner Fahrwerkstechnik bot der Ro 80 ein Fahrerlebnis, das viele seiner Zeitgenossen alt aussehen ließ.

Doch so visionär die Technik war, so anfällig erwies sie sich in der Praxis. Vor allem die Dichtleisten im Wankelmotor machten Probleme und führten zu massenhaften Motorschäden.

NSU zeigte sich kulant und tauschte viele Aggregate, doch der Ruf war ruiniert. Schnell galt der Ro 80 als „Motorenfresser“ – ein Makel, von dem sich das Auto nie wieder erholen konnte.

Von Lothar Spurzem – Eigenes Werk, CC BY-SA 2.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=60687751

Zwischen Genie und Tragödie

Dabei bot der Ro 80 Qualitäten, die viele erst Jahrzehnte später in der Großserie erleben sollten: große Sicherheit durch Knautschzonen, großzügigen Innenraumkomfort und ein Fahrgefühl, das manch zeitgenössische Oberklasse-Limousine übertraf.

Doch die Kombination aus hohen Entwicklungskosten, komplexer Technik und schwacher Nachfrage ließ das Projekt scheitern. Nach nur zehn Jahren Bauzeit war 1977 Schluss – mit gerade einmal 37.406 produzierten Exemplaren.

Die letzten Fahrzeuge sind heute begehrte Sammlerstücke. Museen von München bis Wolfsburg stellen den Ro 80 als technisches Kulturerbe aus. Für viele Enthusiasten bleibt er ein Symbol: für den Mut, Grenzen zu sprengen, aber auch für die Risiken, wenn man zu früh zu viel wagt.

Von Lothar Spurzem – Eigenes Werk, CC BY-SA 2.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75337708

Das Vermächtnis

Der NSU Ro 80 war ein Auto, das alles verändern wollte – und letztlich an seinen eigenen Innovationen scheiterte. Doch sein Einfluss ist unbestreitbar.

Das Design prägte die Audi-Modelle der 70er und 80er, der Wankelmotor fand mit Mazda einen neuen, langlebigeren Weg, und die Vision einer neuen automobilen Ära bleibt bis heute spürbar.

Ein gescheitertes Genie? Vielleicht. Aber vor allem ein Auto, das zeigte, wie aufregend Zukunft sein kann – selbst wenn sie ihrer Zeit um Jahre voraus ist.

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