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USA lockt Mercedes mit Traumkonditionen – Källenius schwärmt von Geschäftsreise

Mercedes-Benz Werk in Tuscaloosa, Alabama | Copyright Mercedes-Benz AG

Mercedes-Benz procures over 50.000 tonnes of CO2-reduced steel per year from Steel Dynamics Inc.

Während in Deutschland weiterhin über hohe Energiepreise und endlose Genehmigungsverfahren diskutiert wird, erlebt Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius in den USA eine ganz andere Welt.

Bei einer Podiumsdiskussion nahe Washington D.C. zeigte sich der Konzernlenker beeindruckt von den Rahmenbedingungen, die amerikanische Politiker Unternehmen bieten – und stellt damit indirekt Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit infrage.

Amerika auf Werbetour für Investitionen

Der Mercedes-CEO war in dieser Woche Teilnehmer des „Select USA“-Summits, einer jährlichen Veranstaltung der US-Regierung zur Förderung ausländischer Investitionen. Das Programm, das bereits 2007 unter George W. Bush ins Leben gerufen wurde, bietet Unternehmen wie Mercedes eine Plattform zum Austausch mit Behördenvertretern und Wirtschaftsförderern.

Und die USA präsentieren sich dabei als einladendes Investitionsziel: niedrige Energiepreise, schnelle Genehmigungsverfahren und langfristige Planungssicherheit sind nur einige der Punkte, mit denen Källenius konfrontiert wurde.

„Was mir dort versprochen wurde, klang fast zu gut, um wahr zu sein“, sagte er später bei einer Veranstaltung in Stuttgart. Eine Politikerin habe ihm etwa Energiepreise zugesichert, „wie es sie hier in Deutschland nie geben wird“ – und das für 25 Jahre fix.

Ein „Wunschzettel“ wird Realität – nur nicht in Deutschland

Besonders begeistert zeigte sich Källenius vom Tempo der Bürokratie in den USA. Genehmigungen für neue Werke würden dort innerhalb von Wochen erteilt – in Deutschland dauere das oft Jahre. In Richtung seines Finanzvorstands Harald Wilhelm scherzte er: „Wenn Harald eine Wunschliste hätte aufstellen können, wäre ihm sowas nicht einmal eingefallen.“

Um welche Politikerin es sich handelte, wollte Mercedes nicht verraten. Bei dem Panel in Washington saß jedoch unter anderem Kelly Loeffler, Chefin der US-Behörde für kleine Unternehmen, mit auf dem Podium.

Deutschland: Altbekannte Probleme, wenig Lösungen

Einen Tag nach seinem Auftritt in den USA diskutierte Källenius beim Arbeitgeberverband Südwestmetall in Stuttgart – zusammen mit Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) und BDI-Chefin Tanja Gönner. Dort ging es vor allem um die bekannten Herausforderungen: Bürokratie, teure Energie, schleppende Digitalisierung. Konkrete Lösungsvorschläge? Fehlanzeige.

Die Veranstaltung offenbarte den Kontrast besonders deutlich: Während in den USA über Anreize für Investitionen gesprochen wird, dreht sich die Diskussion in Deutschland weiter um strukturelle Probleme – ohne greifbare Fortschritte.

Ein neues Werk in den USA? Mercedes schweigt

Ob Mercedes nun tatsächlich über ein weiteres Werk in den USA nachdenkt, bleibt offen. Das Unternehmen äußerte sich auf Anfrage lediglich allgemein: Man entscheide auf Basis „langfristiger Faktoren“ wie der Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte und eines funktionierenden Zuliefernetzwerks.

Bereits jetzt betreibt Mercedes in Tuscaloosa (Alabama) eines seiner wichtigsten Werke außerhalb Deutschlands. Dort arbeiten über 6.000 Beschäftigte an der Produktion von SUV-Modellen wie dem GLE und GLS – inzwischen auch in elektrifizierten Varianten. Neuester Zugang: der GLC, der künftig ebenfalls in Tuscaloosa gebaut wird.

Fazit: Deutschlands Industriepolitik muss liefern

Källenius’ Aussagen sind ein klares Signal – und ein Warnruf an die deutsche Politik. Während andere Länder mit offenen Armen und attraktiven Rahmenbedingungen locken, verliert Deutschland an Standortattraktivität. Ob das langfristig zu einer Abwanderung von Produktionskapazitäten führt, bleibt abzuwarten. Doch klar ist: Wer Investitionen halten oder gar anziehen will, muss mehr bieten als bloße Bürokratieversprechen.

2 Gedanken zu „USA lockt Mercedes mit Traumkonditionen – Källenius schwärmt von Geschäftsreise“

  1. Es ist doch den Aktionären/ Risikokapital Geber
    sch… egal ob ein Großmaul Schwabe in stgt oder ein Ami die Dividende erarbeitet !
    Geld will er für seine Risikoinvestition !
    Und ein paar Groschen mehr als auf ein risikoloses Sparbuch !
    Das geht hoffentlich klar !

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  2. In Deutschland braucht man für eine Genehmigung Jahre. Dann kommen ein Paar Hansel und klagen. Die haben nämlich den Oberschenkelknochen einer seltenen Ameise gefunden. Dann wird Jahre weitergesucht – und nichts gefunden. Nun sind die Pläne überaltert und müssen überarbeitet werden. Wieder ein paar Jahre weg. Wenn man bedenkt, für die Köhlbrandt-Brücke wurden
    26 Jahre Planungs- und Bauzeit angedacht. Da bauen andere Nationen eine neue Stadt.

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