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Volkswagen Käfer – Das rollende Symbol der alten Bundesrepublik

Der VW Käfer war mehr als nur ein Auto. Er wurde zum Gesicht des westdeutschen Wirtschaftswunders – und zum Symbol für eine ganze Generation. Vom braunen Ursprung zum Export-Weltmeister: Die Geschichte des Käfers ist komplex, emotional und einzigartig.

Von Bundesarchiv, Bild 146II-732 / Unbekannt / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5420158

Vom KdF-Wagen zur Massenmobilität

Die Idee des Käfers stammt aus der Zeit der Weimarer Republik, wurde jedoch unter dem NS-Regime als „KdF-Wagen“ zur Propagandamaschine umfunktioniert.

Das große Versprechen: ein erschwingliches Auto für das Volk. Realität wurde dieses Versprechen allerdings erst nach dem Krieg.

1947 startete die Serienproduktion in Wolfsburg – in einer Zeit, in der Deutschland in Trümmern lag. Doch der Käfer fuhr los – und mit ihm begann der Wiederaufstieg einer ganzen Nation.

Mit dem Käfer ins Wirtschaftswunder

Von Lothar Spurzem – Eigenes Werk, CC BY-SA 2.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7011839

Ab 1949 lief der Käfer in immer größeren Stückzahlen vom Band. Das Export-Modell mit verchromten Stoßstangen und besserer Ausstattung wurde zum weltweiten Bestseller.

Bis 1962 hatte VW fünf Millionen Käfer gebaut – ein eindrucksvoller Beweis für das Tempo des westdeutschen Aufschwungs.

Der Käfer war klein, zuverlässig, günstig – und das perfekte Auto für die junge Bundesrepublik. Je mehr Wohlstand sich verbreitete, desto mehr Menschen konnten sich ein Auto leisten. Der Käfer wurde zum Alltagsauto der Nation.

Technisch einfach – aber genial gedacht

Copyright: Volkswagen AG

Trotz technischer Weiterentwicklungen blieb das Grundkonzept des Käfers jahrzehntelang gleich. Die größte optische Veränderung war die Umstellung von der geteilten „Brezel“-Heckscheibe auf eine durchgehende Scheibe im Jahr 1953.

Mit seinem luftgekühlten Boxermotor, dem einfachen Aufbau und der legendären Zuverlässigkeit wurde der Käfer zum Dauerläufer. In 16 Ländern wurde er produziert, überall wurde er zum Inbegriff des „deutschen Autos“.

Weltrekord und Exporterfolg

Copyright: Volkswagen AG

1972 überholte der Käfer den Ford Model T als meistgebautes Auto der Welt – mit über 15 Millionen Exemplaren. Bis zum Produktionsende 2003 kamen mehr als 21 Millionen Fahrzeuge zusammen.

Kaum ein anderes Auto war über Jahrzehnte hinweg so präsent in den Garagen und Herzen der Menschen.

Zwischen Vergangenheit und Fortschritt

So sehr der Käfer für Neuanfang und Erfolg stand, so klar war auch sein historischer Schatten. Entwickelt unter dem NS-Regime, wurde er später zum globalen Friedensbotschafter auf Rädern.

Eine Symbolfigur, die zwischen Diktatur und Demokratie ihren Weg fand – ohne „Stunde Null“, aber mit viel Hoffnung im Tank.

Im Haus der Geschichte in Bonn steht ein schwarzer Brezelkäfer – als Denkmal für den Weg der Bundesrepublik vom Trümmerhaufen zum Wirtschaftswunder. Und als stummer Zeuge dafür, dass große Geschichten oft auf kleinen Rädern beginnen.

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