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VW Karmann-Ghia Typ 14 – Volkswagens schönstes Auto

Als Volkswagen Mitte der 1950er-Jahre ein schickes Coupé auf Basis des Käfers plante, ahnte niemand, dass daraus eines der meistgeliebten deutschen Autos entstehen würde.

Der VW Karmann-Ghia Typ 14, gebaut von 1955 bis 1974, traf mit seinem eleganten Design genau den Nerv der Zeit – ohne sportliche Ambitionen, aber mit enormem Stilfaktor. Insgesamt entstanden über 443.000 Fahrzeuge, davon mehr als 80.000 Cabriolets.

Damit gehört der Typ 14 bis heute zu den erfolgreichsten Klassik-Sportcoupés deutscher Produktion.

Von Lothar Spurzem – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=174429691

Italienisches Design trifft deutsche Großserie

Die Entstehung des Typ 14 liest sich wie ein transatlantisches Gemeinschaftsprojekt: Während Volkswagen Technik und Plattform beisteuerte, lieferte die Karosserieschmiede Karmann aus Osnabrück den Aufbau – und das italienische Designstudio Ghia den Look.

Der formale Einfluss von Luigi Segre, Felice Mario Boano und Gian Paolo Boano ist unverkennbar: weiche Linien, geschwungene Kotflügel, sanft abfallende Dachlinien. Grundlage war ein früher Ghia-Prototyp für Chrysler, dessen Eleganz VW-Chef Heinrich Nordhoff sofort überzeugte.

Als das Coupé im Juli 1955 der Öffentlichkeit präsentiert wurde, polarisierte es: Die Fachpresse lobte die Optik, bemängelte aber die eher bescheidenen Fahrleistungen. In Wahrheit war der Karmann-Ghia weniger Sportwagen als Lifestyle-Objekt – ein Auto fürs Auge, nicht für die Stoppuhr.

Technisch ein Käfer – aber deutlich edler

Unter dem schönen Kleid steckte vertraute VW-Technik: luftgekühlter Heckboxer, Pendelachse, Kurbellenker-Vorderachse und die bekannte Plattform des Export-Käfers – allerdings mit leicht verbreiteter Bodenplatte.

Anfangs leistete der Motor nur 30 PS, später wuchs die Palette bis auf 50 PS. Auch wenn das Auto damit nie zum Porsche-Herausforderer wurde, überzeugte es durch Zuverlässigkeit, Alltagstauglichkeit und günstige Unterhaltungskosten.

Im Laufe der Jahre erhielt der Typ 14 immer wieder technische Updates:
– ab 1959 neue Heckleuchten und größere Scheinwerfer
– ab 1965 stärkere Motoren
– ab 1967 12-Volt-Elektrik und eine optionale Halbautomatik
– ab 1970 schließlich die sichere Schräglenkerachse

Optisch blieb das Grunddesign jedoch erstaunlich konstant – ein Beleg für die gelungene Urform.

Von Photo by CEphoto, Uwe Aranas or alternatively © CEphoto, Uwe Aranas, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=148069031

Erfolgsgeschichte in Deutschland, Kultstatus in den USA

Mit seiner eleganten Silhouette und dem für die Zeit erschwinglichen Preis fand der Karmann-Ghia schnell Käufer. Besonders in den USA wurde er ein Kultobjekt: fast zwei Drittel der gesamten Produktion gingen dorthin. Dort galt er als stylishe Alternative für Menschen, die kein Porsche-Budget hatten, aber etwas Besonderes wollten.

In Deutschland erhielt das Auto Spitznamen wie „Hausfrauen-Porsche“ oder „Sekretärinnen-Ferrari“ – halb spöttisch, halb bewundernd. Tatsache bleibt: Kein anderes VW-Modell war je so designorientiert.

Auch international fand der Wagen Fans. In Brasilien entstanden zwischen 1962 und 1972 eigene Varianten mit veränderter Front- und Heckgestaltung sowie dem später entwickelten Karmann-Ghia TC, der auf dem Typ-3-Fahrgestell basierte.

Von Flominator (talk) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5225341

Ein Abschied – und ein würdiger Nachfolger

1974 war Schluss: Der Typ 14 musste dem moderneren, wassergekühlten VW Scirocco weichen. Sein Erfolg blieb ungebrochen – über 385.000 Coupés und mehr als 80.000 Cabriolets hatte man bis dahin produziert.

Heute gehört der Karmann-Ghia zu den beliebtesten Klassikern seiner Ära. Die Ersatzteillage ist gut, wenn auch Karosserieteile aufgrund des hohen Aufwands selten und teuer sind.

Gute Exemplare liegen längst im fünfstelligen Bereich, Cabriolets oft deutlich darüber. Die Fangemeinde wächst weiter, und auf Treffen sind liebevoll restaurierte Fahrzeuge in allen Farben zu sehen.

Von Dnalor 01 – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 at, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37001557

Warum der Typ 14 bis heute fasziniert

Der Karmann-Ghia Typ 14 ist kein Sportwagen – und will es auch nicht sein. Er ist eine Designikone, ein Statement aus einer Zeit, in der Autos mit handwerklicher Liebe geformt wurden.

Seine Mischung aus italienischer Eleganz, deutscher Zuverlässigkeit und volksnaher Technik macht ihn bis heute einzigartig.

Ein Auto, das nicht schnell sein musste, um Herzen zu gewinnen.

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