Der Konflikt am Persischen Golf und die Blockade der Straße von Hormus könnten schon in wenigen Wochen zu Engpässen an deutschen Zapfsäulen führen. Slowenien rationiert bereits – und die Mineralölbranche schlägt Alarm.

Wirtschaftsministerin bereitet auf Ernstfall vor
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat bei einem Auftritt in den USA ein Szenario skizziert, das Autofahrer aufhorchen lässt: Sollte der militärische Konflikt mit dem Iran anhalten und die strategisch wichtige Meerenge von Hormus dauerhaft blockiert bleiben, könnten bereits Ende April oder im Mai spürbare Versorgungslücken bei Kraftstoffen entstehen.
Ihr Ministerium ordnete die Aussage anschließend als Worst-Case-Betrachtung ein und betonte, dass derzeit noch kein physischer Mangel bestehe. Rohöl fließe weiterhin über alternative Routen – etwa aus Norwegen und Kasachstan – nach Deutschland.
Branchenverband bestätigt die Gefahr
Die Mineralölwirtschaft teilt die Einschätzung der Ministerin. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie bestätigte gegenüber Medien, dass die globalen Lieferketten durch den Nahostkonflikt bereits erheblich unter Druck stehen.
Vor allem beim Diesel verschärfe sich die Lage, weil sowohl Rohöl- als auch Fertigproduktlieferungen aus der Region wegbrechen. Akute Engpässe an der Zapfsäule sieht der Verband kurzfristig zwar nicht, eine verlässliche Prognose für die kommenden Monate wagt allerdings niemand.
Strategische Reserven als Sicherheitsnetz
Deutschland verfügt über staatliche Ölreserven, die das Land rechnerisch 90 Tage lang komplett ohne Importe versorgen könnten. Ein Teil davon wurde zwar im Rahmen einer koordinierten Aktion der Internationalen Energieagentur bereits freigegeben, doch das Ministerium betont, dass die Bestände nach wie vor auf hohem Niveau liegen.
In Kombination mit laufenden Importen dürfte die Versorgung also mindestens mehrere Monate gesichert sein. Steigende Preise würden zudem die Nachfrage dämpfen und so den physischen Mangel hinauszögern.
Slowenien macht den Anfang
Dass Rationierung kein bloßes Gedankenspiel ist, zeigt ein Blick nach Südosteuropa: Slowenien hat als erstes EU-Land eine tägliche Tankobergrenze von 50 Litern pro Fahrzeug eingeführt.
Das weckt Erinnerungen an 2022, als mehrere europäische Staaten während der Energiekrise Treibstoffmangel erlebten – damals allerdings vor allem als Folge staatlich verordneter Preisdeckel, die den Verkauf für Tankstellenbetreiber zum Verlustgeschäft machten.
Einordnung
Für Autofahrer in Deutschland besteht kein Grund zur Panik, wohl aber zur Aufmerksamkeit. Die Kombination aus geopolitischer Eskalation, schrumpfendem Dieselangebot und einem bereits nervösen Markt kann die Preisspirale jederzeit weiter beschleunigen.
Wer ein verbrauchsstarkes Fahrzeug fährt, sollte sich auf deutlich höhere Kilometerkosten einstellen – und die nächsten Wochen am Golf mit einem Auge auf den Spritpreis-Apps verfolgen.
