70 Jahre BMW 503: Der handgefertigte Gran Turismo, den die Welt fast vergessen hat

Nur 412 Stück wurden jemals gebaut, und trotzdem hat der BMW 503 die Designgeschichte der Marke entscheidend geprägt.

Zum 70. Jubiläum blicken wir auf einen Sportwagen, der seiner Zeit voraus war – und BMW beinahe ruiniert hätte.

Bild: BMW

Debüt mit Paukenschlag

Als BMW im September 1955 auf der Frankfurter IAA den Vorhang lüftete, stahl ein Duo allen anderen die Show: Der offene 507 und sein weniger bekannter Bruder, der 503, zogen die Aufmerksamkeit von Presse und Publikum auf sich.

Während der Roadster als Traumwagen gefeiert wurde, positionierte BMW Coupé und Cabriolet des 503 als luxuriöse Reisewagen mit klarem Blick auf den US-Markt.

Beide Fahrzeuge stammten vom Zeichenbrett des deutsch-amerikanischen Designers Albrecht Graf von Goertz, der damit seinen internationalen Durchbruch feierte.

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Pontonform statt Vorkriegs-Charme

Stilistisch brach der 503 radikal mit dem bisherigen BMW-Programm. Die geschwungenen, an die Vorkriegszeit erinnernden Linien der Limousinen 501 und 502 wichen einer klaren Pontonform, die den Wagen modern und sachlich wirken ließ.

Einzig die markante Doppelniere an der Front stellte die Verbindung zur Markentradition her. Unter dem eleganten Kleid steckte bewährte Technik aus dem 502: ein 3,2-Liter-V8 aus Leichtmetall mit 140 PS, dazu Fahrwerk und Lenkung des größeren Schwestermodells.

Handarbeit in jeder Faser

Ab Mai 1956 lief die Serienproduktion – wobei „Serie“ bei 412 Exemplaren in vier Jahren ein großes Wort ist. Jede Karosserie entstand in aufwendiger Handarbeit im BMW-Werk selbst.

Außenhaut, Türen und Hauben bestanden aus einer Aluminium-Magnesium-Legierung, nachdem sich reines Aluminium bei den Prototypen als zu weich erwiesen hatte.

Das Cabriolet setzte technische Akzente als eines der ersten europäischen Serienfahrzeuge mit elektrohydraulischem Verdeck und elektrischen Fensterhebern.

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Beachtliche Fahrleistungen für die Ära

Mit 13,3 Sekunden von null auf hundert und einer Spitze von 190 km/h bot der 503 für einen Luxuswagen der späten Fünfziger respektable Werte.

Ab 1957 erhielt die Vorderachse serienmäßig Scheibenbremsen – eine Neuerung, die unter anderem auf Anregung des Rennfahrers John Surtees zurückging.

Thermische Herausforderungen im Motorraum löste BMW pragmatisch durch seitliche Luftschlitze in der Karosserie; bei hartnäckigen Fällen fertigte das Werk auf Kundenwunsch zusätzliche Öffnungen in den Kotflügeln.

Zwei Serien, minimale Stückzahlen

BMW unterschied während der Bauzeit zwischen zwei Serien: Die erste kam mit Lenkradschaltung und hydraulischen Fensterhebern, die zweite erhielt einen Mittelschalthebel, elektrische Fensterheber und eine überarbeitete Innenraumgestaltung.

Von den insgesamt 412 Fahrzeugen entfielen 273 auf das Coupé und 139 auf das Cabriolet. Lediglich sechs Exemplare verließen das Werk mit Rechtslenker für Großbritannien.

Einordnung

Der BMW 503 ist ein Fahrzeug voller Widersprüche: zu teuer für den Massenmarkt, zu wenig Roadster für die Sportwagenkäufer und doch ein Meilenstein für das BMW-Design.

Die von Goertz geschaffene Formensprache wies den Weg in die Moderne und beeinflusste die Markenidentität weit über das Produktionsende 1960 hinaus.

Auf dem heutigen Sammlermarkt gehört der 503 zu den begehrtesten BMW-Klassikern überhaupt – wer eines der wenigen erhaltenen Exemplare besitzt, hält ein Stück Automobilgeschichte in Händen, das im Wert stetig steigt.

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